ÜBERSICHT

Grönland – die größte Insel der Welt

Text Günther Härter | Fotos Ulrike Fischer


Eine Offenbarung …

… für jeden Reisenden, der mit ­offenen Sinnen unterwegs ist. Nicht nur wegen der spektakulären Landschaftsbilder, der Eisberge, die in den Fjorden vor der riesigen Eiskappe des Inland­eises unmerklich dahintreiben, der unzählbaren Berge jeglicher Gestalt und Schwierigkeit, dem Polarlicht in klaren Nächten, der Blumen übersäten Wiesen im Sommer – und der wohltuenden Ruhe über allem. Das für sich ist schon einzigartig, ja sensationell.

Was in Grönland noch hinzu kommt, ist die Geschichte der Ureinwohner, vor allem ihre bewundernswerte Anpassungsfähigkeit an die extreme Natur. Vor einigen Tausend Jahren gab es aus dem asiatischen Raum (heutige Mongolei) eine Auswanderungswelle. Die Volksstämme überquerten die damalige Landverbindung der Beringstraße und besiedelten von Nord nach Süd beide Küstenstreifen Grönlands. Die gesamte Zeit über, bis vor wenigen Jahrzehnten, lebten die Inuit autark und ausschließlich von der Jagd. Das Fett der Robben spendete Licht und Wärme, das Fleisch machte satt, aus den Fellen wurde Bekleidung hergestellt. Dank ausgefeilter Anpassungstechniken konnten sie unter extremsten Bedingungen überleben – so auch die kalte, lange Monate währende dunkle Polarnacht in kleinen Erdhäusern. All das können wir heute noch als Reisende sehen, erkennen und uns erzählen lassen. Die gewaltige Natur ist gleich gewaltig geblieben. Das Volk der Inuit jedoch befindet sich im Umbruch. Letztendlich wurde ihnen ihre Jahrtausende alte Existenzgrundlage entzogen. Die Inuits können die Produkte ihrer Jagd nicht mehr verkaufen. Dazu hat auch Greenpeace beigetragen. Im Gegensatz zu früher benötigen sie jedoch zusätzlich Geld, um ihr Leben und das ihrer Familien zu finanzieren. Deshalb leben viele Familien von der (dänischen) Sozialhilfe. Für die grundsätzlich fröhlichen und sanftmütigen Inuit bedeutet das eine entwürdigende Situation ohne Perspektive. Alkohol, den die Inuit genauso wenig wie die Aborigines vertragen/abbauen können, verschärft die Situation.

Was es braucht, sind Arbeitsplätze für die Inuit. Davon gibt es bereits einige, etwa im Bereich der Verwaltung und Versorgung, die sich jedoch weitgehend in dänischer Hand befindet. Eine weitere Möglichkeit bietet naturorientierter, nachhaltiger Tourismus. Der Naturreichtum Grönlands ist einzigartig, für jeden Besucher überwältigend. Die Inuits, mit ihrer Heimat tief verwurzelt, leben ihre Tradition bis heute und können uns viel davon aufzeigen. Daraus kann etwas Gutes entstehen – zum Vorteil für alle Beteiligten. Ein Musterbeispiel dafür ist das „Red House“ von unserem Partner Robert Peroni in Tasiilaq in Ostgrönland. ­Peroni, Südtiroler, ehemaliger Extrembergsteiger und Grönlandpionier, lebt seit Jahrzehnten in Tasiilaq und gibt den Inuit Arbeit, Anerkennung und Würde.

So zum Beispiel auch unserem jungen Bootsführer Ole. Bei Bilderbuchwetter fuhr uns Ole mit sichtlicher Freude am Leben und Verbundenheit mit seiner Heimat mit dem Motorboot rund um die Insel Ammassaliq, umkurvte vorsichtig Eisberge, machte uns auf Wale aufmerksam bevor wir sie entdeckten, legte an Inuit- Siedlungen an. In einem seit einigen Jahren verlassenen Inuit-Ort steht ein kleines Holzkirchlein, darin befindet sich eine Schreibpult große Orgel. Wir waren draußen unterwegs, auf einmal hörten wir Orgelspiel. Ole saß alleine im Kirchenraum und spielte wunderbar auf der Orgel. Ich hatte den Eindruck, Ole spielt primär für sich, aber gleichermaßen gerne auch für uns. Das alles gibt Hoffnung. Wenn wir mit unseren Unternehmungen einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der Inuit leisten können, gibt es unserer Arbeit einen tieferen Sinn.

[Günther Härter] Informationen und Eindrücke anläßlich einer Erkundungstour im September 2018


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