ÜBERSICHT

Pakistan

Wo die großen Gebirge der Erde auf jahrtausendealte Kulturen, lebendige Traditionen und außergewöhnliche Gastfreundschaft treffen

von Tahir Khan

Es gibt Orte, die wir besuchen. Und es gibt Orte, die verändern, wie wir die Welt sehen. Pakistan gehört zur zweiten Kategorie.

Vom Arabischen Meer im Süden bis zu einigen der höchsten Berge der Erde im Norden erstreckt sich ein Land von außergewöhnlicher geografischer und kultureller Vielfalt. Historische Städte und jahrtausendealte Kulturstätten, fruchtbare Täler und karge Hochgebirgslandschaften liegen ebenso innerhalb seiner Grenzen wie einige der gewaltigsten Gletscher und Gipfel unseres Planeten.

Hier treffen Himalaya, Karakorum und Hindukusch aufeinander. Fünf der vierzehn Achttausender stehen in Pakistan: K2, Nanga Parbat, Gasherbrum I, Broad Peak und Gasherbrum II. Alte Handelswege verbanden hier einst Süd- und Zentralasien, und bis heute prägen unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Traditionen das Land.

Doch so faszinierend Pakistans Berge sind – sie sind nur ein Teil dessen, was eine Reise durch dieses Land so besonders macht.

Zu den gewaltigen Landschaften kommen die Menschen und Kulturen, historische Orte und nicht zuletzt die vielen Gegensätze. In den Tälern des Nordens liegen Dörfer und Obstgärten unter schneebedeckten Gipfeln, während Städte wie Lahore oder Islamabad wieder ein völlig anderes Bild des Landes zeigen. Und immer wieder begegnet einem jene außergewöhnliche Gastfreundschaft, von der viele unserer Kunden nach ihrer Rückkehr erzählen.

Dabei ist Pakistan auch ein Land, auf das man sich einlassen muss. Der Bergtourismus hat hier nicht dieselbe kontinuierliche jahrzehntelange Entwicklung durchlaufen wie beispielsweise in Nepal. Gerade in den abgelegenen Bergregionen sind andere Standards und manchmal auch Improvisation gefragt. Eine Straße kann nach einem Steinschlag oder Erdrutsch vorübergehend blockiert sein, das Wetter Pläne verändern und manche Abläufe funktionieren anders, als wir es aus Mitteleuropa gewohnt sind.

Meistens findet sich eine Lösung. Und vielleicht gehört gerade diese Mischung aus großer Natur, kulturellen Gegensätzen, Gastfreundschaft, Improvisation und Gelassenheit zu den Erfahrungen, die Pakistan so nachhaltig machen.

Concordia
Im Herzen des Karakorum

Unter den vielen Bergabenteuern Pakistans nimmt der Weg über den Baltoro-Gletscher nach Concordia und weiter in Richtung K2 Base Camp eine besondere Stellung ein. Mit jedem Tag verändert sich die Landschaft. Die letzten Straßen bleiben zurück, grüne Täler weichen immer kargeren Berghängen, bis schließlich Fels, Schnee und Eis das Bild bestimmen.

Der Baltoro wird zum natürlichen Weg durch diese gewaltige Landschaft. Ringsum ragen einige der spektakulärsten Berge und Felstürme des Karakorum auf. Und schließlich erreicht man Concordia.

Für viele Trekker ist es jener Augenblick, den sie sich seit Jahren vorgestellt haben: Ein gewaltiges natürliches Amphitheater öffnet sich, umgeben von einigen der höchsten und eindrucksvollsten Bergen der Erde. Hier stehen die Berge nicht mehr irgendwo am Horizont. Sie stehen um uns herum.

Für erfahrene Trekker kann die Reise zum K2 Base Camp zu einem der großen Bergabenteuer ihres Lebens werden. Für Fotografen ist sie eine kaum endende Folge außergewöhnlicher Motive. Und wer von der Geschichte des Alpinismus fasziniert ist, bewegt sich durch eine Landschaft, die Generationen von Bergsteigern geprägt hat.

Natürlich fordert eine solche Reise auch Verzicht auf Gewohntes. Über viele Tage lebt man im Zelt, manche Camps sind sehr einfach und Komfort spielt weit weniger eine Rolle als im Alltag zu Hause. Wetter, Höhe und lange Trekkingtage gehören ebenso zur Erfahrung wie die großen Panoramen.

Gerade das macht den Karakorum aber auch so besonders: Man ist nicht nur Betrachter dieser Landschaft – man bewegt sich für eine gewisse Zeit mitten in ihr.

Biafo–Hispar & Snow Lake
Die große weiße Wildnis

Noch abgeschiedener wird es auf der Durchquerung von Biafo und Hispar über den Snow Lake. Die Landschaft wird weit, still und beinahe abstrakt. Eis, Berge und Himmel bestimmen den Horizont. Das riesige Gletschersystem vermittelt eine Dimension und Einsamkeit, die selbst im Himalaya und Karakorum außergewöhnlich ist.

Keine Souvenirgeschäfte. Kein Verkehr. Keine Infrastruktur. Nur Berge, Gletscher, Himmel – und der Rhythmus des Gehens.

Die Biafo-Hispar-Durchquerung verlangt Kondition, Erfahrung, gute Akklimatisation und die Bereitschaft, über längere Zeit sehr einfach unterwegs zu sein. Dafür findet man hier etwas, das in einer immer stärker erschlossenen Welt selten geworden ist: wirkliche Abgeschiedenheit.

Nach der Überschreitung des 5.151 Meter hohen Hispar-Passes verändert sich die Szenerie wieder. Die Route führt weiter bis ins Hispar Village und schließlich nach Karimabad im Hunzatal. Damit verbindet diese Reise eine der großen Gletscherdurchquerungen des Karakorum mit einer vollkommen anderen Landschaft und Kultur.

Spantik
Der Golden Peak

Mit 7.027 Metern erhebt sich der Spantik über dem Karakorum. Wegen des besonderen Lichts auf seinen Flanken ist er auch als Golden Peak bekannt. Der Normalweg führt von Arandu über den Südostgrat zum Gipfel und gilt im Vergleich zu vielen anderen Siebentausendern als technisch vergleichsweise unkompliziert. Überwiegend bewegt man sich in Schnee- und Eisgelände; Gletscher, Schneehänge und Wechten gehören dennoch zu den Herausforderungen der Besteigung.

„Technisch vergleichsweise unkompliziert“ darf dabei allerdings nicht mit „leicht“ verwechselt werden. Eine Besteigung des Spantik ist eine richtige Expedition. Nach dem mehrtägigen Zustieg wird auf rund 4.350 Metern das Basislager eingerichtet. Von dort folgen Akklimatisationsaufstiege und der Aufbau von drei Hochlagern auf etwa 5.100, 5.600 und 6.200 Metern. Erst danach beginnt der eigentliche Gipfelgang auf 7.027 Meter.

Mehrere Wochen unterwegs, Gletscher, Hochlager und Akklimatisationsaufstiege, Kälte und vor allem die enorme Höhe von über 7.000 Metern stellen völlig andere Anforderungen als eine klassische Hochtour in den Alpen. Sehr gute Kondition, solide Steigeisentechnik und Erfahrung auf vergletscherten Bergen sind Voraussetzung.

Genau diese Kombination macht den Spantik interessant: Für erfahrene Trekker und Bergsteiger kann er den Einstieg in das Expeditionsbergsteigen auf einem Siebentausender ermöglichen und zugleich als Vorbereitung auf noch höhere Ziele dienen. Unser Team vor Ort verfügt über erfahrene Hochgebirgsguides und Höhenbergsteiger mit Erfahrung an Sieben- und Achttausendern. Hinzu kommt ein für eine solche Unternehmung interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer einmal erfahren möchte, was eine richtige Expedition bedeutet – mit Basislager, Hochlagern, Akklimatisation und einem Gipfel jenseits der 7.000-Meter-Marke –, findet am Spantik ein außergewöhnliches Ziel.

Märchenwiese
und ein Berg voller Geschichte

Viele unserer Kunden haben anspruchsvolle Touren und wilde Besteigungen hinter sich – und genießen es heute mindestens genauso, die Schönheit gewaltiger Berge bei leichteren Wanderungen und mit etwas mehr Distanz wahrzunehmen. Kaum irgendwo lässt sich das eindrucksvoller erleben als auf der Märchenwiese.

Eine fast liebliche Landschaft aus grünen alpinen Wiesen und Wäldern bildet den Vordergrund. Dahinter erhebt sich der Nanga Parbat, mit 8.125 Metern der neunthöchste Berg der Erde – und nach dem K2 der zweithöchste Pakistans. Der Gegensatz könnte kaum größer sein: eine friedliche, grüne Landschaft – und darüber einer der geschichtsträchtigsten Berge der Alpingeschichte.

Kaum ein Achttausender ist so eng mit der deutschsprachigen Alpingeschichte verbunden. Bereits in den 1930er-Jahren wurde der Nanga Parbat zum großen Ziel deutscher Himalaya-Expeditionen. Mehrere Unternehmungen endeten in Katastrophen. Der Nanga Parbat erhielt einen Namen, der ihm bis heute anhaftet: „Schicksalsberg der Deutschen“.

1953 gelang dem Tiroler Hermann Buhl die Erstbesteigung. Über die Raikot-Flanke erreichte er nach einem außergewöhnlichen, stundenlangen Alleingang den Gipfel. Der Abstieg wurde legendär: Von der Dunkelheit überrascht, musste Buhl auf etwa 8.000 Metern ein Notbiwak im Stehen verbringen – ohne Zelt und ohne Schlafsack. 17 Jahre später gelang Reinhold und Günther Messner die erste Durchsteigung der rund 4.500 Meter hohen Rupalwand.

Wer heute auf der Märchenwiese sitzt, sieht deshalb weit mehr als ein schönes Panorama. Mit einem Fernglas erschließen sich in der Raikot-Flanke Details, die mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar sind: Gletscher, Eisabbrüche, Seracs, Felsstrukturen. Stundenlang kann man beobachten, wie Wolken und Licht das Gesicht des Nanga Parbat verändern. Die international gebräuchliche Bezeichnung „Fairy Meadows“ geht auf die deutsche Bezeichnung „Märchenwiese“ zurück.

Hunza
Die lieblichere Seite des Nordens

Wer ins Hunzatal kommt, erlebt noch einmal ein anderes Pakistan. Viele unserer Kunden beschreiben Hunza als lieblicher als die kargen Hochgebirgsregionen des Karakorum. Zwischen den gewaltigen Bergen liegen grüne Dörfer, Terrassenfelder und Obstgärten. Im Frühjahr blühen Aprikosenbäume, im Herbst trocknen die Früchte auf den Dächern der Häuser.

Auch kulturell unterscheidet sich Hunza: Ein großer Teil der Bevölkerung gehört der ismailitischen Glaubensgemeinschaft an, Bildung besitzt einen hohen Stellenwert, und als Besucher begegnet man einer sehr zugänglichen Gesellschaft. Karimabad sowie die historischen Festungen Baltit und Altit erzählen von der Geschichte des ehemaligen Fürstentums. Weiter entlang des Karakorum Highway stehen die Passu Cones, während der Attabad Lake mit seinem intensiven Türkis einen weiteren Farbakzent setzt.

Hunza darf man langsam erleben: Durch ein Dorf gehen. Menschen begegnen. Regionales Essen probieren. Durch Obstgärten spazieren. Bei einer Tasse Tee sitzen und beobachten, wie sich das Licht auf den Bergen verändert.

Vielleicht bleiben am Ende
Menschen

So spektakulär Pakistans Landschaften sind – viele unserer Kunden erzählen nach ihrer Rückkehr mindestens ebenso viel von den Menschen. Von großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Von Guides, die bei unerwarteten Situationen ruhig und flexibel reagieren. Von Gesprächen bei einer Tasse Tee.

Besonders eindrücklich ist die Gelassenheit von Menschen, deren Alltag unter teilweise deutlich schwierigeren Bedingungen stattfindet. Das kann nachdenklich machen. Denn Reisen bedeutet eben nicht nur, neue Landschaften zu sehen. Es bedeutet auch, für eine gewisse Zeit die eigene Normalität nicht zum Maßstab für alles zu machen.

Pakistan lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise entdecken: auf dem Weg zu K2 und Concordia, bei der Durchquerung von Biafo und Hispar, am Spantik – oder mit mehr Zeit an Orten wie Märchenwiese, Hunza, Taxila, Peshawar oder Lahore. Mit unserer neuen Kultur- und Wanderreise möchten wir künftig außerdem Reisenden einen Zugang ermöglichen, die nicht wochenlang über Gletscher ziehen möchten.

Denn vielleicht liegt gerade in seinen Gegensätzen die eigentliche Faszination: Große Berge und grüne Täler. Wildnis und lebendige Städte. Jahrtausendealte Geschichte und ein Land im Wandel. Herausforderungen und große Gastfreundschaft.


Artikel & Fotos: Tahir Khan

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