TOP MOUNTAIN TOURS REISEMAGAZIN – Ausgabe # 9
Liebe Bergfreunde, Reisen bedeutet für mich weit mehr, als von einem Ort zum anderen zu gelangen. Es bedeutet, Gewoh...
Günther, als du im Januar 2009 TOP MOUNTAIN TOURS gegründet hast, war dein Wahlspruch „Reisen heißt entdecken, erst die Welt, dann sich selbst.“ Am 1. Januar 2026 hast du das Unternehmen an deinen Sohn Stefan übergeben – und dein Motto gleich mit?
Günther Härter: Ich habe es ihm nicht konkret mit auf den Weg gegeben, denn Stefan ist seit vielen Jahren schon für TOP MOUNTAIN TOURS tätig, in den letzten Jahren auch als Mit-Geschäftsführer mit mir. Dabei stellte ich fest, dass Stefan diesen Wahlspruch genauso lebt.
Stefan, du hast es ein bisschen abgewandelt in „Völkerverständigung durch persönliche Begegnung“.
Stefan Härter: Ich würde beide total unterschreiben. Tatsächlich finde ich, dass Reisen eine Möglichkeit bietet zu reflektieren und sich selbst auf eine Art und Weise kennenzulernen, die wahrscheinlich nicht möglich ist, wenn man nicht reist. Dazu kommt die Komponente der Verständigung von verschiedenen Kulturen, die ich für ganz wesentlich halte.

Von Anfang an dabei waren eure beiden Mitarbeiterinnen Anna Zeidler und Anneliese Herrmann. Wie wichtig waren die beiden für das Gelingen von TOP MOUNTAIN TOURS?
Günther Härter: Sehr! Als ich 2009 Top Mountain Tours gründete, studierte Stefan noch in Holland. Ich nutzte damals die Chance, mich selbständig zu machen. Mein Ziel war Kapitän eines eigenen „Schiffs“ zu sein, einer eleganten wendigen Segelyacht, nicht eines großen Passagierdampfers. Dank der tatkräftigen Mitarbeit in der Organisation wie von Anna Zeidler, Anneliese Herrmann und meiner Frau damals lief es von Anfang an ordentlich an. Es war der gelungene Startschuss dazu, dass ich sehr gute 16 Jahre mit Top Mountain Tours erleben durfte.
Als Stefan sein Studium beendet hatte, kam er zurück nach Deutschland und stieg in die Firma ein. Vorher absolvierte er noch ein Auslandssemester in Peru. Als ich damals eine Expedition zum Aconcagua leitete, trafen wir uns in Mendoza und bestiegen alle gemeinsam den Berg. Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis, mit meinem Sohn auf dem höchsten Punkt Südamerikas zu stehen.
Stefan, wie war es für dich, zum eingespielten Team von TMT dazuzustoßen?
Stefan: Ich hätte es mir besser nicht vorstellen können. Natürlich ist es Arbeit, aber die Atmosphäre ist schon eher familiär. Anneliese kennt mich schon als Baby. Und Anna kenne ich auch schon sehr lange. Es sind bereits 14 Jahre, dass wir zusammenarbeiten. Ich könnte mir keine besseren Kolleginnen wünschen als Anna und Anneliese.
Reisen heißt entdecken, erst die Welt, dann sich selbst.
Ein großes Kompliment für euch, auf eine so lange, kreative und kollegiale Zusammenarbeit zu blicken?
Anna Zeidler: Ich war gerade in der Anfangszeit in die Familie Härter eingebunden, als das Büro noch im Wohnhaus war und der jüngste Sohn Daniel quasi an meinem Schreibtisch seine Hausaufgaben gemacht hat. Man hat mittags zusammen am Küchentisch gesessen und Stefan war hin und wieder während der Semesterferien da. Unsere Zusammenarbeit war von Anfang an etwas ganz Besonderes, einfach wertschätzend, respektvoll, und so, dass man sich fast zur Familie dazugehörig fühlte.
Für TMT zu arbeiten, heißt ja auch, ausgefallene Kundenwünsche zu erfüllen?
Anna Zeidler: Spontan fällt mir ein, dass im vergangenen Jahr zwei Kunden an den Kilimanjaro wollten. Sie haben gesagt, sie möchten genau an Vollmond auf dem Gipfel stehen. Zu der Zeit hatten wir eigentlich gar keine Reise nach Tansania geplant, aber dann haben wir ganz spontan einen Termin für die Kunden arrangiert. Ich dachte mir, so eine schöne Idee muss man unterstützen!

Auch an die Chefs werden manchmal besondere Wünsche herangetragen. Wie war das mit dem Transport der E-Bike-Akkus, die nach Bhutan sollten?
Stefan Härter: Der Papa hat mit dem Mountainbike-Experten Andi Heckmair vereinbart, dass sie eine E-Bike-Tour in Bhutan veranstalten. Ich hatte dann dafür zu sorgen, dass es dort E-Bikes gibt. Bhutan hatte damals keine E-Bikes. Eigentlich fast ein kleines Wunder, dass wir es geschafft haben, denn Akkus per Luftfracht und die ganzen Zollabwicklungen sind ein heikles Thema. Letztlich hat es in dem wunderschönen Land nicht nur eine, sondern viele E-Bike-Reisen von TMT gegeben.
Günther Härter: Das war eine starke Initiative von Stefan. Und es hat terminlich genau gepasst. Ein paar Tage, bevor die TMT-Gruppe unter Leitung von Andi Heckmair in Bhutan ankam, waren auch die E-Bikes mit je einem Akku vor Ort. Es zeichnet TMT aus, dass wir solche Herausforderungen annehmen und auf einen guten Weg bringen.
Reisen ist tödlich für Vorurteile
Ihr seid als Unternehmen noch jung – 2009 gegründet – aber ihr selbst habt sehr viel Erfahrung. Macht diese Mischung aus jugendlichem Schwung und großer Erfahrung das Erfolgsrezept aus?
Stefan Härter: Das stimmt. Anneliese hat Jahrzehnte Erfahrung in der Touristikbranche. Auch Anna und mein Vater, von dem ich viel gelernt habe. Eigentlich bauen wir auch auf die Erfahrungen von Günter Sturm auf, der den Trekking-Tourismus in Deutschland aufgebaut und populär gemacht hat. Wir sehen uns in der Tradition von Günter Sturm. Das gilt nicht nur in Sachen Philosophie, wie man reist, sondern auch bezüglich des Miteinanders mit den Partnern in den bereisten Ländern und den Kunden. Es ist ein großer Vorteil, auf das Netzwerk meines Vaters zurückgreifen zu können und auch auf seine Reisebeschreibungen, die er auf unserer Homepage eingearbeitet hat.
Anna, wie kam es, dass du von Beginn an bei TMT mit Feuer und Flamme dabei warst?
Anna Zeidler: Ich hatte eigentlich gerade eine Arbeitsstelle angetreten und wurde von einer Freundin für TMT empfohlen. Da wollte ich sie und Günther Härter nicht enttäuschen und war nach der Bewerbung zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das war so angenehm und sympathisch, dass ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt habe. Es hat mich gereizt, ein Unternehmen von Anfang an zu begleiten und zu schauen, wie ein Reiseveranstalter funktioniert.
Familiär anfangen und dann langsam wachsen – Günther, war das deine Vorstellung zum Start von TMT?
Günther Härter: Richtig. Man sollte sich nicht von Anfang an zu große Schuhe anziehen. Mit wachsender Teilnehmerzahl und immer wieder neuen Reiseideen und Reisezielen entwickelte sich TMT kontinuierlich weiter zu einer auch heute noch überschaubaren Größe. Und ich habe getan, was ich gerne tue: Als Bergführer gehe ich mit Leidenschaft in die Berge und mich interessiert die faszinierende Kultur der Bergvölker weltweit. Außerdem habe ich immer schon gerne organisiert. So konnte ich bei TMT beide Interessen zusammenführen und oft mit Kunden auf Skitouren, Trekkings und Expeditionen unterwegs sein. Es war eine herrliche Zeit.

Auf eurer Homepage steht ein altes Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, geh allein, wenn du weit gehen willst, geh mit anderen.“ Welche Rolle spielen bei euch Gruppen-Feeling und Individualisierung?
Stefan Härter: Beides hat seinen Reiz. Man kann bei TMT alleine oder in geschlossenen Gruppen, wo man sich kennt, unterwegs sein. Aber es ist auch eine schöne Facette, bei einer Tour oder einem Trekking andere sympathische Leute kennenzulernen. Da sind schon Freundschaften und sogar Ehen entstanden. Wenn man allein, zu zweit oder zu dritt unterwegs ist, hat man ja das lokale Begleit-Team. Dann ist der Guide die ganze Zeit mit dabei und man hat noch mehr Möglichkeiten, in die Kultur des Landes einzutauchen.
Inwiefern spielen die Emotionen wie Fernweh oder die Freiheit, aufzubrechen, wohin man will, bei TMT eine Rolle?
Stefan Härter: Ich sehe keinen großen Unterschied, wie Günter Sturm (Interview im TMT-Magazin, Ausgabe 8, top-mountain-tours.de/magazin) damals mit einfachen Mitteln die Welt bereist hat und wie wir es heute tun, zu Fuß und mit eigener Muskelkraft. Da ist die menschliche Sehnsucht, in die Ferne aufzubrechen. Das Drumherum hat sich gewandelt, aber die Sehnsucht ist geblieben. In unserer technologisierten Gesellschaft sucht man sogar noch mehr den Ausgleich in der Natur als früher.
Anneliese, du bist seit 40 Jahren in der Reisebranche tätig, wie sympathisch ist es, für so ein kleines, aber feines Unternehmen wie TMT zu arbeiten?
Anneliese Herrmann: Auf alle Fälle schön. Es ist das Persönliche im Team und auch beim Kundengespräch. Im Vergleich zu anderen Reiseunternehmen sind bei TMT die Kunden anders: Sie bringen die Begeisterung fürs Reisen mit und ein großes Interesse an den Ländern.
Für TMT steht der Mensch im Vordergrund
Günther, was zählt zu den wesentlichen Merkmalen von TMT?
Günther Härter: Es ist eine Dreierkombination: Auf der einen Seite das Bergerlebnis, also reines Naturerlebnis, und auf der anderen Seite das Eintauchen in die Kultur der Region. Ergänzend zu Berg und Kultur liegt uns auch die Kulinarik am Herzen. Und man muss nicht unbedingt in ferne Länder reisen. Auch im Alpenraum kann man noch fantastische Ecken entdecken. Ich denke zum Beispiel an die versteckten Täler im Piemont oder an die neuen E-Biketouren in Südtirol und in den Dolomiten.
Stefan, welche Reiseziele findest du aktuell besonders spannend – und wie hat sich das über die Jahre verändert?
Stefan Härter: Der Himalaya hat nach wie vor eine ganz große Anziehungskraft. Ein absolutes Muss für jeden, der Berge und unterschiedliche Kulturen liebt, ist für mich Pakistan. Im Tourismus gibt es sicherlich immer wieder unterschiedliche Phasen – und da ist Pakistan meiner Meinung nach aktuell besonders interessant. Nordindien und Bhutan ebenso, während Nepal natürlich der große Klassiker bleibt.
Was sich geändert hat? Früher hatten wir mit die meisten Buchungen in Russland, vor allem am Elbrus. Auch der Iran war aufgrund seiner jahrtausendealten Kultur ein spannendes Reiseziel. Aufgrund der aktuellen Weltlage können diese Reisen derzeit leider nicht mehr stattfinden.
Günther, wenn du zurückblickst auf die 16 Jahre TMT, die du geprägt hast, welches waren für dich die markanten Ziele mit besonderem Flair?
Günther Härter: Es sind die unterschiedlichen Landschaftsformen und Kulturen, die man in den Bergen der Welt antrifft. In Afrika zum Beispiel ist es der Ruwenzori in Uganda. Dieses wenig besuchte Bergmassiv im Innersten Afrikas ragt aus einer riesigen Regenwaldzone heraus. Nach Tagen umgeben von üppigster Vegetation erreicht man zuletzt über einen Gletscher den gut 5000 Meter hohen Gipfel. Im Himalaya ist es Bhutan. Das buddhistische Königreich legt großen Wert auf den Erhalt seiner Kultur, die überall sichtbar und spürbar ist. Das gesamte Land strahlt eine wohltuende, friedvolle Atmosphäre aus. Auf Grönland beeindruckte mich die totale Ruhe und Erhabenheit der arktischen Gletscherlandschaft und die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Inuits an die extremen Lebensbedingungen.

Stefan, du zitierst Goethe auf eurer Homepage: „Die Reise gleicht einem Spiel, es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite. Für Naturen wie die meine ist eine Reise unschätzbar, sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet.“ Inwiefern geht's um mehr als von A nach B zu kommen?
Stefan Härter: Ich kann mich mit diesem Zitat total identifizieren und finde es schade, wenn man ein Land bereist und nicht mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommt. Was Goethe hier gesagt hat, dass man sich auf Reisen auf sich selbst einlässt, sich berichtigen lässt, Dinge hinterfragt, das liegt mir wirklich am Herzen. Ich denke, dass dies für eine gesunde und schöne Welt notwendig ist.
Kapitän einer eleganten Segelyacht – nicht eines Passagierdampfers.
Für das Team von TMT steht der Mensch im Vordergrund – so habt ihr es geschildert. Was bedeutet der „TAG DES BERGES“ in Murnau für euch?
Stefan Härter: Das persönliche Miteinander ist eine wunderschöne Gelegenheit, auch neue Pläne zu schmieden. Außerdem können wir neue Reiseziele vorstellen. Es kommen Kunden, die mit TMT unterwegs waren, und von ihren Erfahrungen berichten. Bei den vielen Unsicherheiten weltweit spielt es eine große Rolle, verschiedene aktuelle Einschätzungen aus erster Hand zu bekommen. Jeder trifft die Entscheidung für eine Reise selbst umso besser, wenn man sich vorher beraten und ausgetauscht hat.
Anna Zeidler: Viele sind ja auch Stammkunden und da ist es spannend zu erfahren, was sie gemacht haben, wo sie unterwegs waren. Und bei neuen Gesichtern freuen wir uns auf das persönliche Kennenlernen.
Anneliese Herrmann: Bei mir hat dieser Tage eine langjährige Kundin wegen ihres Fluges angerufen. Und dann gesagt: „Mensch, Frau Herrmann, toll, wir sehen uns nur einmal im Jahr beim Tag des Berges, aber ich freue mich schon sehr darauf!“

Stefan, mit welchem Gefühl gehst du in die Zukunft – du musst bei TMT mit deinem Team die alltäglichen Herausforderungen annehmen, kannst aber auch zufrieden sein, das Unternehmen deines Vaters weiterentwickeln zu dürfen?
Stefan Härter: Dankbarkeit wäre – glaube ich – das beste Wort. Wir versuchen immer, aus allem das Beste zu machen. In der heutigen Zeit ist so ein kleines Team gar nicht verkehrt. Ich habe keine Absichten, dass wir in zehn Jahren zehnmal so groß sein sollten wie jetzt, sondern es passt einwandfrei, wie es ist. Es hat sich alles so entwickelt, wie es am Ende gepasst hat. Ich bin weiter zuversichtlich und wir tragen unseren besten Teil dazu bei.
Herzlichen Dank an euch vier – Anneliese Herrmann, Anna Zeidler, Günther und Stefan Härter!
Ich schließe mit einem Zitat des amerikanischen Schriftstellers Mark Twain, der einmal geschrieben hat: „Reisen ist tödlich für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit und viele unserer Leute brauchen es dringend aus diesen Gründen.“
Reisen ist tödlich für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit und viele unserer Leute brauchen es dringend aus diesen Gründen.
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